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Wangerländischer Pilgerweg

  • Der "Wangerländische Pilgerweg" führt vorbei an insgesamt vierzehn Kirchen, elf evangelischen und drei katholischen Gotteshäusern.
  • Wer die gesamte Tour oder nur einen Teilabschnitt absolvieren möchte, sollte sich zu allererst die Broschüre "Kirchen im Wangerland" zur Hand nehmen. Sie liegt in den beteiligten Kirchen aus.
  • Die Broschüre mit genauer Karte dient zum einen der Streckenplanung, zum anderen sind alle Gotteshäuser mit Ansprechpartnern und Öffnungszeiten vorgestellt.
  • Erfahrene und trainierte Radler können sich die gesamte Strecke vornehmen.Spazierfahrersolltenes bei einem Teilabschnitt belassen, damit die Tour zu den Kirchen nicht in ein Rennen ausartet. Das wäre auch deshalb schade, weil für Besuche in den Gotteshäusern zu wenig Zeit bliebe.
  • Für Familien mit Kindern eignet sich der "Pilgerpass". Dort hinein kommen Stempel aus jeder Kirche. So lassen sich auch Jüngere für die Pilgerfahrt begeistern. Die Pässe liegen in den Kirchen aus.

 

Der Pilgerpass

Eine Idee für die Herbstferien oder auch für ein Wochenende: der neue "Wangerländische Pilgerweg". Die Redaktion hat die ökumenische Tour ausprobiert – und kann sie bestens empfehlen.

Ich muss nicht lange überlegen. Eine Fahrrad-Pilgertour vorbei an den Kirchen des Wangerlandes? Wenn mich jemand fragt, ob ich das empfehlen kann, werde ich ohne Umschweife antworten: "Auf jeden Fall. Aber nimmt Dir nicht zu viel auf einmal vor!" Nicht zu viel auf einmal! Zum einen wegen der vierzehn Kirchen selber. Zum Beispiel die evangelischen Gotteshäuser. Allesamt Jahrhunderte alte steinerne Zeugen der Geschichte und des Glaubens. Die meisten errichtet auf Erhebungen, so genannten Warfen oder Wurten.

Bis zu zwanzig Meter hoch ragen die Außenwände in den stets windigen Küstenhimmel. Und man kann sich noch heute vorstellen, wie bis vor ein paar hundert Jahren das Hochwasser sie umspülte und sie den letzten Schutz der Menschen hier oben gebildet haben. Auch dem Fahrradpilger von heute bieten diese ehrwürdigen Häuser Schutz. Zum Beispiel wenn an einem heißen Augusttag die Sonne brennt. Dann drücke ich die schwere eiserne Klinke herunter. Die Eichentür knarzt und schon einen Schritt weiter umfängt mich schattige Kühle.

Die kalkweißen Innenwände der meterdicken Mauern sorgen für niedrige Temperaturen. Unsere moderneren katholischen Gotteshäuser der sechziger und siebziger Jahre bilden einen eigentümlichen Kontrast zu den steinalten Gotteshäusern. Aber auch sie stechen hervor. Nicht zuletzt Schillig Sankt Marien, die Zentrale der Wangerland-Urlauber-Seelsorge.

Für eine Pilgertour gilt: Der Weg ist das Ziel. So hatte ich mich von Horumersiel aus aufgemacht, über Schillig, Minsen, Hohenkirchen, Oldorf und Sankt Joost zurück.

 

 Die Stempel der Kirchen vermerken im Pilgerpass die Ergebnis der Radrundfahrt.

 

Alles in allem also sieben Kirchen, gut dreißig Kilometer in etwa drei Stunden. Es hätte noch länger dauern können. Dann nämlich, wenn die Pforten aller Kirchen nach 17 Uhr noch offen gestanden hätten. Das lässt sich aber nur von der Sankt-Marien-Kirche in Schillig sagen. Sie bleibt täglich von 8 bis 22 Uhr zugänglich. Bei den anderen Gotteshäusern sollte man vorher die Öffnungszeiten in der Broschüre "Kirchen im Wangerland" nachlesen. Sie liegt kostenlos in den Kirchen aus. Dort gibt es auch den "Pilgerpass".

Dort hinein lassen sich Stempel aus jeder der vierzehn Kirchen drücken. Sie liegen jeweils am Schriftenstand der Gotteshäuser.

Der Pilgerpass setzt auf den Sammeltrieb der Menschen. Ich kann bestätigen, wie auf der Tour der Ansporn wuchs, auf jeden Fall irgendwann alle Kirchenstempel beisammen zu haben. Am Ende hatte ich vier Stempel im Pass. Drei Kirchen waren geschlossen.

Nicht zuviel auf einmal! Das sollte man auch nicht, was die Strecke angeht. Denn die wangerländische Weite hat so ihre Tücken.

So verführt ein steifer Rückenwind den ungeübten Radler leicht dazu, die Tour weiter als geplant anzugehen. So erging es mir auf der glatt gepflasterten Fahrrad-Straße gleich hinterm Deich. Heißa, wie schnell das alles ging! Das Rad fuhr wie von selbst. Die Kilometer schmolzen nur so dahin. Nur der Blick nach hinten und die Windräder ließen das dicke Ende ahnen.

Der Rückweg präsentierte dann auch die Rechnung für soviel Übermut. Die kleine Nachmittagstour geriet deutlich länger und anstrengender. Mein Vorrat an Getränken reichte so gerade bis Hohenkirchen.

Die rund dreißig Kilometer stecken mir noch einige Tage in den Knochen. Mein Trainingszustand ist eben allzu mangelhaft. Dennoch: Die Tour hat sich gelohnt. Die restlichen Stempel hole ich mir eben ein anderes Mal.

 

Text und Foto: Michael Rottmann in "Kirche+Leben" , 22.09.2004

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